Falten, Faltenbehandlung

Man unterscheidet nach der Entstehungsursache verschiedene Faltentypen wie dynamische Gesichtsfalten, Altersfalten und natürliche Sonnenfalten.

Für praktisch jede Faltenart gibt es heute in der ästhetischen Dermatologie die optimale Therapieform. Bis vor ca. 15 Jahren waren die mimischen (dynamischen) Falten am schwierigsten zu behandeln.

Die mimischen (dynamischen) Falten entstehen durch die Aktivität der Muskulatur im Gesicht, wie z.B. bei der Grimassenbildung. Besonders betroffen sind dabei der Stirnbereich, Regionen um die Augen, zwischen den Augen, um den Mund, um die Nase, im Kinnbereich und am Hals. Solche Falten können sich bereits ab dem 22-23. Lebensjahr ausprägen. Die Falten, die in der Entspannung nicht mehr verschwinden, können sehr effektiv mit Botulinumtoxin reduziert werden.

Die Alters-und Sonnenfalten lassen sich perfekt durch die Unterspritzung z.B. mit Hyaluronsäure, verschiedenen Lasersystemen, oder auch durch das medizinisches Peeling behandelt.

Falten-, Schwitz-Behandlung mit Botulinumtoxin

Botulinumtoxin ist ein relativ neues, aber bereits eine bewährte Substanz zur Rückbildung von Gesichtsfalten, zur Reduktion von übermässiger Schweissbildung in bestimmten Körperregionen, zur Besserung von Kopfschmerzen und anderen Problemen.

Botulinumtoxin

Botulinumtoxin ist ein natürliches Produkt (Eiweiss), dass von Bakterien (Clostridium botulinum) produziert wird und als Wirkstoff in verschiedenen Medikamenten eingesetzt wird.

Botulinumtoxin ruft eine zeitbegrenzte Blokade von Nervenimpulsen im Behandlungsareal hervor. Seit 1989 wird dieser Stoff bei der Behandlung von Nervenerkrankungen eingesetzt.

Zusätzlich erwies sich das Botulinumtoxin als ein sehr gut wirksames Mittel bei der Behandlung von übermässiger Schweissbildung (Hyperhidrose) und bei der Rückbildung von dynamischen Gesichtsfalten.

Durch das Spritzen des Botulinumtoxin in die Achselhöhlen, Handinnenflächen und Fusssohlen entstehen zeitbegrenzte Blockaden für die Nervenimpulse, die die Schweissproduktion steuern. Damit werden die Schweissdrüsen "ruhig" gestellt.

Eine ähnliche Wirkung kann man auch bei Spritzen in den Muskel erzielen, so wird der Muskel vorübergehend teilweise oder je nach Behandlungsziel, komplett entspannt. Wobei Funktionen, wie Temperaturempfinden, Fühlen, Tasten erhalten bleiben.

In der Wissenschaft sind heute 9 Botulinumtoxinarten bekannt. Diese werden durch Zusatz von den Buchstaben wie A, B, C usw. unterschieden. Die meisten Präparate enthalten Botulinumtoxin A, welches für die Behandlung von krankhaften Muskelverkrampfungen, zur Anti-Schweiss-Therapie sowie auch in der ästhetischen Dermatologie für die Faltenbehandlung angewendet wird. Zwischen ihnen sind keine wesentlichen Unterschiede zu erwähnen.

Botulinumtoxin B. wird hauptsächlich in der Neurologie eingesetzt. In der ästhetischen Dermatologie hat es bis heute keinen richtigen Einsatz gefunden.

Die Risiken und Nebenwirkungen von Botulinumtoxin B sind vergleichbar mit Botulinumtoxin A. Botulinumtoxin B wird bisher v.a. bei Wirkungslosigkeit oder Antikörperbildung auf die Botulinumtoxin A-Medikamente eingesetzt.

Durchführung der Botulinumtoxin-Injektion

Nach der Hautdesinfektion erfolgen an den bereits markierten Stellen oberhalb des jeweiligen Muskels winzige Einspritzungen von Botulinumtoxin. Die Einstichstellen werden unmittelbar vor und gleich nach der Therapie gekühlt. Das reduziert die Hautempfindlichkeit während der Behandlung und beugt eventuell auftretenden Schwellungen vor. Die Ergebnisse der Behandlung sind innerhalb der ersten 7 bis 10 Tagen ersichtlich.

Die Wirkung von Botulinumtoxin bei der Faltenbehandlung hält durchschnittlich 3 bis 6 Monate. Nach wiederholten Behandlungen "verlernen" die Muskeln ihre Funktion und als Folge verlängert sich die effektive Wirkungsdauer des Botulinumtoxins und dementsprechend die Rückbildung der Falten.

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Mögliche Nebenwirkungen

Die Informationen über die Nebenwirkungen vom Botulinumtoxin, besonders im ästhetischen Bereich, sind unserer Meinung nach für die Patienten unverzichtbar.

Nach unseren Erfahrungen, Fakten und der derzeitigen internationalen Datenlage gehört das Botulinumtoxin zu einer der sichersten Medikamente überhaupt. Bei professioneller und erfahrener Anwendung ist die Nebenwirkungsrate äusserst gering und reversibel.

Die Mengen von Botulinumtoxin, die bei der ästhetischen Behandlung verwendet werden, sind etwa 100 -1000 Mal geringer als bedrohliche Dosen, die bei anderen Erkrankungen verwendet werden.

Eine kleine Diskrepanz könnte äusserst selten und vor allem vorübergehend bei der Behandlung von übermässigem Schwitzen an den Füssen und an den Händen entstehen. Das Botulinumtoxin reduziert nicht nur die Schweissproduktion, sondern auch die Muskelkraft der in der unmittelbaren Nähe liegenden Muskeln. Bei der Faltenrückbildung ist eine Muskelentspannung erforderlich, bei der Therapie des Schwitzens wäre es eine Nebenwirkung. Die leichte Muskellähmung ist in kürzester Zeit reversibel und wird meistens nur an den Händen z.B. beim Gitarrespielen bemerkbar. Diese Nebenwirkung ist vorübergehend, weil sich innerhalb der ersten 6- 12 Wochen neue Nervenspitzen in den Muskeln entwickeln.

Sehr selten kann sich ein Teil der gespritzten Menge etwas weiter ausbreiten. Alle diese Veränderungen sind vorübergehender Natur, sollten aber vom Arzt behandelt werden.

Jedoch treten diese Nebenwirkungen bei der Behandlung durch einen erfahrenen Spezialisten extrem selten auf.

Behandlungsrisiken

1. Behandlungsrisiken der Stirnfalten

Vorhandene Schlupflider können stärker zur Ausprägung kommen. Eine reversible Tiefsetzung der Oberlider, gestörter Lidschluss und Doppelbilder sind bei verstärkter Wirkung des Botulinumtoxins im Augenbrauenbereich möglich.

Weitere unerwünschte oder in vielen Fällen sogar erwünschte Nebenwirkung sind so genannte "Mephisto"- oder "Spock"-Ausdrücke. Dabei handelt es sich um eine Hebung der seitlichen Partien der Augenbrauen. Bei Bedarf und Wunsch kann das gezielt vom Arzt angestrebt werden, welches man als „Botoxlifting“ bezeichnet. Dies führt zu schöneren und grösseren Augen. Wen das nicht dem Wunsch des Patienten entspricht, kann man das mit kleinem Nachspritzen problemlos korrigieren.

2. Behandlungsrisiken der Zornesfalte

Es kann zu kurzfristigen, reversiblen, geringfügigen Tiefsetzungen der inneren Partien der Augenbrauen kommen. Dabei könnte auch eine leichte Schwellung im Augenwinkelbereich entstehen. Die Anhebung der seitlichen Augenbrauen ist hier auch möglich und oft gewollt. Falls gewünscht, kann man dies ebenfalls mit einer kleinen Nachinjektion korrigieren. Die bereits vorhandenen Fältchen an den Aussenseiten der Augenbrauen können verstärkt werden oder erneut auftreten. Auch hier ist eine Korrektur in Form von Nachbehandlung möglich.

3. Behandlungsrisiken der Lachfalten

Bei der Behandlung von Lachfalten (äussere Augenwinkel) könnte die entspannte Haut zu Geltung kommen in Form von einem Überschuss. Als Folgeerscheinung sind kleine Fältchen im Bereich unter den Augenlider sichtbar.

Die Augenpartien sind sehr gut durchblutet und haben eine sehr dünne und zarte Haut. Das ist der Grund, warum Blutergüsse hier etwas vermehrt auftreten.

4. Behandlungsrisiken der Augenunterlider

Die geringfügig angelegten Tränensäcke könne etwas verstärkt werden. In vereinzelten Fällen entstehen so genannte Ektropium (abstehende Unterlider). Diese Effekte sind vorübergehend.

Behandlungsrisiken der Botoxlifting/ Augenbrauenlifting (Anhebung der Augenbrauen)

Zu den sehr seltenen unerwünschten Wirkungen in diesem Bereich gehört die reversible Augentrockenheit. Weiterhin können kurzfristig für ca. 1-3 Wochen kleine Fältchen oberhalb der angehobenen Augenbrauen entstehen.

5. Behandlungsrisiken der Plisséfältchen der Oberlippen

Die Oberlippenmuskulatur wird bei der Behandlung entspannt und dementsprechend werden die sichtbaren Fältchen "geglättet". Als unerwünschte Wirkung kann es initial kurzfristig zur Beeinträchtigung beim Zigarettenrauchen, Pfeifen, Trinken mit einen Strohalm, sowie beim Essen von flüssigen Speisen (z.B. Suppe) kommen. In sehr seltenen Fällen treten Probleme bei der Aussprache von bestimmten Buchstaben oder Silben auf. In den oben beschriebenen Situationen handelt es sich um eine sehr kurzzeitige reversible Beeinträchtigung der Funktion (einige Tage).

6. Behandlungsrisiken bei herabgesunkenen Mundwinkeln

Bei unterschiedlicher Höhe der Mundwinkel kann problemlos mit einer geringen Menge von Botulinumtoxin nachkorrigiert werden.

7. Behandlungsrisiken der Platysma (senkrechte Halsbänder, Halsfalten)

Als seltene Risiken gelten eine leichte Halsheberschwäche oder eine kurz anhaltende Veränderung der Stimmlage.

Allgemeine Risikofaktoren

Um das Risiko einer leichten Hautreizung oder einer Hautinfektion durch die Injektion zu verringern sowie einer geringen Schwellung oder einem leichten Bluterguss vorzubeugen, sollte man nach Absprache mit dem behandelnden Facharzt acetylsalicylsäurehaltige Medikamente wie z. B. Aspirin oder blutverdünnende Arzneimittel für einige Tage vor der Behandlung absetzen.

Ein vorübergehender, asymmetrischer Gesichtsausdruck, welcher durch unterschiedliche Wirkung des Toxins entstehen kann, lässt sich durch eine Injektion einer geringen Menge des Botulinumtoxins bis ca. 14 Tage nach der Injektion ausgleichen.

In sehr wenigen Fällen wurde ein Auftreten von Mundtrockenheit, allgemeinem Krankheitsgefühl, grippeähnlichen Symptomen oder Abgeschlagenheit kurze Zeit nach der Botulinumtoxin Behandlung mitgeteilt.

Nach dem aktuellen Stand der modernen Wissenschaft zeigen sich jedoch sämtliche Behandlungsrisiken von kurzer Dauer. Längerfristige Behandlungsrisiken bei den mimisch bedingten Falten sind unbekannt.

Die Einhaltung eines zeitlichen Mindestabstandes zwischen zwei Botulinumtoxin Injektionen muss fachlich gesehen berücksichtig werden. Daher sollte der Patient die letzte Botoxbehandlung (Datum und Arzt) seinem behandelnden Arzt mitteilen.

Schmerzbehandlung mit Botulinumtoxin

Dadurch, dass das Botulinumtoxin die Muskulatur ruhig stellt, lassen sich Spannungskopfschmerzen, die meist durch die Verkrampfung der Stirn- und Nackenmuskulatur verursacht werden, besonders gut behandeln. Ebenfalls wurden gute Ergebnisse bei Migräne, Muskelschmerzen und Rückenschmerzen erzielt. Leider existiert bis jetzt keine offizielle Zulassung von Botulinumtoxin für die Schmerzbehandlung.

Bevor man das Botulinumtoxin für die Schmerzbehandlung einsetzt, muss die Ursache der Schmerzen jedoch durch einen Spezialisten (Orthopäde, Neurologe, Schmerztherapeut) abgeklärt werden. Da die Datenlage und die Erfahrungen der Schmerztherapie von Botulinumtoxin zurzeit noch relativ mangelhaft ist, kann nicht mit so guten Ergebnissen wie bei der Faltenbehandlung und dem übermässigen Schwitzen gerechnet werden.

Wann ist die Anwendung von Botulinumtoxin verboten

Während der Schwangerschaft und der Stillzeit ist die Anwendung von Botulinumtoxin verboten.

Nerven- und Muskelerkrankungen stellen ebenfalls eine Kontraindikation dar.

Bei Einnahme von Blutverdünnungsmitteln wie z. B. Aspirin (Acetylsalicylsäure) und einigen Schmerzmitteln sollte die Behandlung mit besonderer Vorsicht durchgeführt werden, bzw. die Therapie um eine Woche nach Absetzung des Medikamentes verschoben werden.

Akute Infektionen und die Antibiotikaeinnahme stellen keine direkte Kontraindikation dar, jedoch sollte bis zur Heilung abgewartet werden.

Nach der Behandlung mit Botulinumtoxin ist folgendes zu beachten:

Die ersten 4 Stunden nach der Therapie sollte auf schwere körperliche Arbeit oder intensiven Sport verzichtet werden. Ebenfalls sollten die behandelten Areale nicht gerieben oder massiert werden. Leichtes Waschen oder Duschen sowie das Auftragen von Make-Up ist erlaubt. Die Sonnenexposition, Saunabesuche, oder Solarium sollten für die nächsten Tage nach Möglichkeit reduziert werden.

Bei der Behandlung der Gesichtsfalten sollten die behandelten Gesichtsmuskeln die ersten 3 - 4 Stunden nach der Behandlung belastet werden. z. B. Grimassieren, Stirn runzeln, Augen zusammen kneifen. Ebenfalls soll sich der Patient die ersten 3 - 4 Stunden nicht hinlegen.

Effektivität von Botulinumtoxin bei wiederholten Anwendungen

Der Wirksamkeitsverlust bei wiederholten Botulinumtoxin-Anwendungen ist bereits in der Literatur beschreiben. Meistens sind neurologische Patienten, die besonders hohe Dosen von Botulinumtoxin erhalten haben, davon betroffen. Das macht ca. 3 - 5 % der Patienten aus. Der Grund dafür liegt in der Bildung von IgG-Antikörpern (Immuneiweiss), welche die Wirksamkeit lindern. Bei ästhetischen Anwendungen werden vielfach geringere Dosen von Botulinumtoxin injiziert und dementsprechend sind nur Raritätsfälle über das Nachlassen der Wirksamkeit beschrieben. Viel häufiger ist allerdings eine Wirksamkeitsverbesserung nach mehrfacher Anwendung. Aus diesem Grund ist der Wirkungsverlust bei der Anti-Schweiss-Behandlung und der Faltenglättung nicht zu erwarten.

Wann ist das "Maskengesicht" möglich

Das "Maskengesicht" entsteht nur dann, wenn der Patient dies wünscht, z. B. "USA-Vorstellungen" oder das Botulinumtoxin an falsche Stellen oder in höheren Mengen injiziert wird. Bei einem Spezialisten dürfte es nicht vorkommen. In Europa und z. B. in der Schweiz sehen die Behandlungswünsche der Patienten erfahrungsgemäss anders aus. Es wird erwartet, dass die Falten im Gesicht deutlich reduziert werden, wobei die komplette Gesichtsmimik und die Natürlichkeit des Gesichtsausdruckes erhalten bleiben sollen. Dies ist die Kunst. Daher gehört die Botulinumtoxin-Behandlung in die Hände von erfahrenen Ärzten. Sollte der Fehler bei der Behandlung trotzdem unterlaufen, sind alle Wirkungen und Nebenwirkungen vom Botulinumtoxin reversibel.

Bei der Behandlung des übermässigen Schwitzens wird das Botulinumtoxin nur in die Haut gespritzt und kommt nicht in den Blutfluss hinein. Dadurch können die oben beschriebenen Effekte hierbei nicht vorkommen.

Weitere medizinische Anwendungsgebiete von Botulinumtoxin

Botulinumtoxin ist als Wirkstoff in verschiedenen Medikamenten in ca. 70 Ländern der Welt, u. a. auch in der Schweiz, zugelassen. Es wird angewendet bei allen Erkrankungen, wo ein Neurotransmiter-Acetylcholin beeinflusst werden muss. Dazu zählen Nerven- und Muskelerkrankungen (idiopathische Blepharospasmus, hemifaziale dystone Bewegungsabläufe, dynamische Spitzfussstellung, Spastizität, infantile Zerebralparese), Schielbehandlung, Analeinriss, Hyperhidrose, Zornesfalte und viele weitere.

In der wissenschaftlichen Entwicklung wird zurzeit versucht, das Botulinumtoxin bei Schmerzbehandlung einzusetzen, was sehr erfolgsversprechend aussieht. Des Weiteren wird über Erfolge beim Einsatz von Botulinumtoxin bei chronischen Afterschmerzen (Analfissuren), Sprachstörungen, Muskelkrämpfen nach dem Schlaganfall, Karpaltunnelsyndrom, sexuellen Funktionsstörungen, unangenehmem Körpergeruch berichtet.

Behandlungsabrechnung

Das Botulinumtoxin ist ein modernes, äusserst gut wirksames Medikament bei der Behandlung der mimischen Falten und des übermässigen Schwitzens. Das Botulinumtoxin ist ein wertvolles, aber sehr teueres Medikament. Daher kann die Behandlung mit dem BTX-A nur privat abgerechnet werden. Die Kosten belaufen sich je nach Region und Verbrauchsmenge ab 300 CHF. Einige Zusatzversicherungen übernehmen einen grossen Teil der Kosten bei der Behandlung mit Botulinumtoxin bei der Hyperhidrose, sind dazu jedoch nicht verpflichtet.


Dr. (VAK Moskau) med. Vadym Volpov

Facharzt FMH Dermatologie & Venerologie, Phlebologie SGP,
ästhetische Chirurgie (A), Lasermedizin SGML